14 Januar 2009

Chemiebaukasten

Als Kind hatte ich einen Elektronikbaukasten und später auch einen für chemische Experimente. Ich weiß nicht mehr genau, was mein Bruder und ich damit alles angestellt haben, aber in der Nachbetrachtung kann ich mich recht gut erinnern, dass es öfter mal, als wir unter Missachtung aller Anleitungen und Sicherheitshinweise alles was vorhanden war in eine Glasröhre rührten, heftig zu brodeln begann und das Gemisch sehr heiß wurde. Ich möchte lieber nicht wissen, welche Ursuppenbedingungen wir da herstellten.
Am Ende kam auf jeden Fall alles immer ins Klo oder in den Ausguss - wohin sonst. Und also in den Bach, genauer in den Strembach. Und ins Grundwasser und so weiter.
Nein, man darf unter den Bedingungen, die es heute gibt, unter dem langjährig herangezogenen Verantwortungsbewusstsein, das wir heute haben, gar nicht wirklich darüber nachdenken.

Beim Elektronikbaukasten gab es auch ein Experiment, erinnere ich mich, da wurde ein einfaches Radio gebaut. Einige Drähte, ein paar Widerstände, eine Spule oder zwei, ein kleiner Ohrhörer,... Es hat nicht wirklich funktioniert, mehr gerauscht als Radio gespielt. Aber wer kann heute noch aus dem Stegreif ein Radio basteln, oder gar einen Videorecorder, selbst wenn alle Bestandteile vorliegen würden. Früher einmal, da hat es Zeiten gegeben, in denen sich die Menschen (fast) alles selbst hergestellt haben, was sie benötigten und verwendeten. Heute ist man fast immer angewiesen. Das nennt sich Komplexität. Schlecht ist es nicht - wer verzichtet schon gerne aufs Radio, den Fernseher oder die Mikrowelle, nur weil man selbst keine Ahnung hat, wie das Gerät im Inneren eigentlich funktioniert? Ob es nur gut ist, ist eine andere Frage.